„Der längere Atem – Antimilitaristische Opposition und Wiederbewaffnung 1945 bis 1955“

Am Donnerstag, dem 12.2.2009, fand im Golden Löwen in Baden-Baden Lichtental eine weitere Informationsveranstaltung des Anti-Nato-Bündnisses Baden-Baden statt.
Gezeigt wurde die zeitgeschichtliche Dokumentation „Der längere Atem – Antimilitaristische Opposition und Wiederbewaffnung 1945 bis 1955“ von dem Münchner Filmemacher und Grimme-Preisträger Christoph Boekel, welcher eigens angereist war, um den Film zu kommentieren.
Für viele der meist jüngeren Zuschauer war dies ein erster Kontakt zu den geschichtlichen Wurzeln ihres heutigen Protestes gegen den Nord-Atlantik-Pakt (NATO). Der Film berichtet von den verfassungsrechtlich höchst bedenklichen Verhandlungen Bundeskanzler Konrad Adenauers über die Verknüpfung der westdeutschen Staatsgründung mit einer Verpflichtung zur Wiederbewaffnung und Eingliederung in das westliche Militärbündnis bereits seit 1949, obwohl eine überragende Mehrheit der Bevölkerung angesichts des gerade vergangenen Zweiten Weltkrieges dies vehement ablehnte.
Der westdeutsche Staat reagierte, wie der Film belegt, mit einer Kriminalisierung des als Protest gegründeten „Hauptausschusses für eine Volksbefragung gegen die Remilitarisierung“. Viele der schon während der Nazizeit in Konzentrationslagern inhaftierten Aktiven dieser Bewegung wurden auch in der BRD mit Gefängnishaft bestraft.
Ranghohe und politisch extrem belastete Vertreter der ehemaligen Wehrmacht wurden dagegen von dem jungen Staat hofiert und bildeten den Kern der späteren Bundeswehr, die trotz der durchgeführten Befragung von über 9 Millionen Bürgern, die sich mit über 80 % dagegen ausgesprochen hatten, am 5. Mai 1955 formell gegründet wurde.
Die Einführung in diese Problematik gab der Baden-Badener Historiker Istar Buscher, welcher auch die anschließende Diskussion leitete.
Das Anliegen des Baden-Badener Anti-Nato-Bündnisses ist es, durch Informationsveranstaltungen wie dieser das Verständnis der Bevölkerung für sein Anliegen zu fördern, um dem auch heute noch andauernden Bestreben des Staates, die Kritiker von Bundeswehr und NATO zu kriminalisieren, entgegen zu wirken.
Denn abgestimmt werde in der Demokratie letzten Endes „mit dem Kopf an der Wahlurne – und nicht mit den Füßen auf der Straße“, wie ein Teilnehmer das ausdrückte. Abzuwarten bleibe, ob der Bevölkerung Baden-Badens durch die während des NATO-Gipfels anstehende „Geiselhaft für eine ganze Stadt“ die Augen geöffnet würden. Auch für diese Hoffnung stehe der Film-Titel „Der längere Atem“.
Weitere Informationsveranstaltungen des Bündnisses finden am 5. und 26. März statt und werden in der Presse angekündigt.

© Text: Dr. Marduk Buscher